Doppel LP Kysela “Goldrausch” / Marcoll “Amproprification #5: Goldrausch”

22,00 

A&B: Mark Lorenz Kysela Goldrausch für liegend gespieltes Sopransaxofon

Aufgenommen von Maximilian Marcoll im April 2017
GlinggGlinggGlingg Studio Berlin

C&D: Maximilian Marcoll Amproprification #5: Goldrausch, Mark Lorenz Kysela

Madrid 2017/2018

CoverArt: Jürgen Palmtag
Cover: Jörg Koch

roruys imifest

roim031

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Vorrätig

Beschreibung

Doppel LP

Sides A & B: Mark Lorenz Kysela Goldrausch, 40’

Die Zirkularatmung ist für den Ton ein Fluch. Als habe man ihn zu ewigem Dasein verdammt. Es ist dem Ton versagt, zu verklingen. Vielleicht muss man es aber auch nicht gar so drastisch formulieren. Denn Mark Lorenz Kysela hat sich zunächst ja nur dafür entschieden, auf dem Rücken liegend, auf einem verstärkten, vertikal gespielten Sopransaxofon einen 40 Minuten währenden Klang zu spielen. Der Ton wird also suspendiert, er klingt nicht aus. Dafür verleiht Kysela ihm aber ein Leben, das weit über die üblichen Möglichkeiten eines Tons, sich zu entfalten hinausgeht. Es ist ein Ton, dessen ganzes Wesen sich im Verlaufe dieser 40 Minuten verändert. Der zwischen Luft, Ton und Geräusch alle denkbaren Facetten durchlebt. Der sich bisweilen aufzulösen droht. Dieser Ton verkörpert eine Grenzerfahrung. Eine erratische Bewegung, die den Ton weit von seinem Ursprungsort weg führt.

Sides C & D: Maximilian Marcoll Amproprification #5: Goldrausch, Mark Lorenz Kysela, 40’

Die Amproprification #5: Goldrausch ist insofern eine Ausnahme, als hier nicht die Konzertdarbietung des Werks verändert wird, sondern die Aufzeichnung eines Stücks. Marcoll hat sich dabei für zwei Eingriffe entschieden, die sehr radikal auf das Original einwirken. Im A-Teil wird Kysela‘s Aufnahme mit einer Frequenz von 9 Hz amplitudenmoduliert, also neun Mal pro Sekunde an und wieder ausgeschaltet. Im B-Teil wird die Frequenz dieser Modulation verändert, zunächst in einem Accelerando, bis nur noch ein ratterndes Flirren übrig bleibt, dann in einem Ritardando, bis das Stück bei einer Frequenz von 0,55 Hz endet, der Geschwindigkeit, mit der sich der Schallplattenspieler dreht. Dabei verschachtelt Marcoll die Accelerandi und die Ritardandi so, dass der Eindruck entsteht, die Musik würde endlos weiter beschleunigt respektive verlangsamt. Marcolls Idee war es, dem lächigen Rauschen, das Kysela erzeugt, mit einem Impuls, also einer gegensätzlich gearteten Qualität zu begegnen.

Schließlich ist auch das Cover eine autonom gestaltete Werkebene innerhalb von Goldrausch. Jürgen Palmtag illustriert nicht, er vermeidet die „thematische Überstrapazierung“, sondern sucht eher eine „Klimazone“, in dem die verschiedenen Aspekte des Werks aufgehen. Im Falle von Goldrausch wendete Palmtag ein ungewöhnliches Verfahren an, indem er nämlich aus der erinnerten Stimmung des Hörens der Musik heraus eine Reihe verschiedener Arbeiten auswählte. Diese Auswahl wurde von Palmtag gemeinsam mit Kysela und Marcoll dann so lange reduziert, bis das Covermotiv gefunden worden war. Inwiefern die Goldtöne der Plattenhülle mit dem Titel, die Figur mit dem Instrumentalisten, die veränderte Gestalt der Figur auf der Rückseite mit der marcoll‘schen Bearbeitung in Zusammenhang gebracht werden können, bleibt dabei allerdings offen.

CoverArt: Jürgen Palmtag
Cover: Jörg Koch
Booklet Text: Björn Gottstein
Translation: Katherine Wren
Label: Roruys Imifest
Catalog Number: roim031